| |
Es gibt alte Fertighäuser, aus denen ist der muffige Geruch nicht
raus zu bekommen. Lüften ist natürlich gut, aber nach einer
halben Stunde riecht es wie vorher. Schlimm ist auch, dass es dieBewohner
nicht mehr so sehr merken, weil es zur Gewohnheit wird. Alle Freunde,
Bekannte und Fremde rümpfen aber die Nase, denn der Geruch hängt
auch in allen Kleidern, die eine Weile im Schrank hingen.
Wir selbst wohnen nicht in dem Haus, aber das ehemalige Wohnhaus der
verstorbenen Großeltern erforderte dringende Renovierungsmaßnahmen.
Es wurde eine Sanierung daraus.
Das Fertighaus ist etwa 40 Jahre alt. Es steht auf einem Massivkeller
mit Betondecke. Vor etwa 13 Jahren wurde der Fußboden durch einen
Asphaltestrich ersetzt, weil er teilweise durch undichte Heizthermostate
und einen lecken Kühlschrank beschädigt war. Dann wurde das
Dach neu gedeckt, weil die Betonpfannen stark sandeten und auch eine
Dachisolierung notwendig wurde.
Nur mit dem neuen Fußboden war der Geruch nicht weg.
Die asbesthaltige Eternitfassade hatte außerdem an der Wetterseite
seit Jahren schwarze Algenstreifen, die man an vielen derartigen Häusen
sieht, da Eternit kein Wasser aufnimmt und bei Änderung der Luftfeuchtigkeit
und -temperatur Kondensat bildet. Die Wärme-dämmung war dürftig.
Wir begannen mit der Fassade, schraubten alle 28 Platten mühsam
ab und entsorgten sie fachgerecht. Kann man selbst machen, braucht aber
die zugelassenen Polyesterfasersäcke für Asbestentsorgung,
einen Container und eine Sondermülldeponie. Natürlich eine
Firma die den Container dort hinfährt. Private Entsorgungen sind
erheblich billiger als über eine Firma.
Es wurden noch neue Kunststoff-Isolierfenster eingebaut, bevor die Fassade
dran kam.
Was wir nicht wollten, war eine Styroporbeklebung der Fassade, weil
darunter dann die Lattung und das Holz-Fachwerk des Fertighauses ist.
Styropor ermöglicht keine richtige Feuchtigkeitsdiffusion, gibt
Feuchtigkeit nicht ausreichend nach außen ab. Ist daher untauglich.
Wir entschieden uns, anstelle der Eternitfassade eine Isolierklinkerfassade
auf die vorhandene Lattung aufzubringen, auf die vorher noch wasserfest
verleimte Sperrholzplatten geschraubt wurden. Dies ermöglichte
eine starke Steingut-Klinker-Hartschaum-Isolierung mit Hinterlüftung,
bei der der Taupunkt im Hinterlüftungsbereich liegt. Diese werden,
wie eine gemauerte Wand, mit Zementmörtel verfugt. Eine Firma für
diese Fassadeninstallation hatten wir bereits gefunden.
Als das geschafft war, ging es an den Innenausbau. Doch trotz aller
Massnahmen und monatelangem Lüften wollte der Geruch nicht weichen.
Auch eine Formaldehyduntersuchung ließen wir durchführen.
Ergebnis: Formaldehyd weit unter den Grenzwerten. (Holz hat von Natur
aus ein wenig Formaldehyd zur eigenen Schädlingsbekämpfung)
Erst die Suche nach der Geruchsquelle brachte den eigentlichen Sanierungserfolg.
Ich empfehle jedem, der in einem solchen Fertighaus
unter Gerüchen leidet, in jedem Raum eine Steckdose auszubauen,
dahinter die Dampfsperre aufzuschneiden und zunächst mit der Nase
eine Geruchsprobe der eingebauten Mineralwolle zu nehmen. Zusätzlich
den Zustand der Fußböden zu überprüfen ist auch
nicht verkehrt, wenn diese noch im Originalzustand sind.
Damit hatten wir die Quelle, denn es roch so stark muffig aus den Steckdosenlöchern,
dass kein Zweifel bestand woher die Gerüche kamen. Eine teure Ent-scheidung
war zu fällen. Die Innenplatten der Außen-wände mussten
rausgesägt und -gebrochen werden. Die Platten waren drei Zentimeter
dick, deckenhoch, und hatten senkrechte Hohlkammern für Elektroleitungen.
Es war keine schöne Arbeit, denn alle 40cm war eine senkrechte
Nagelreihe mit Schraubnägeln in 10cm Abstand, die maschinell genagelt
waren. Mit etwas handwerklichem Geschick und Brecheisen ließ sich
das aber bewältigen. Es kostet allerdings Überwindung und
später Geld, im ganzen Fertighaus die Außenwände bis
auf das Ständerfachwerk frei zu legen. Wir machten das auch zum
ersten Mal. Zum Glück hatten nur die Außenwände diese
Mineralwolle, die übrigens nicht feucht, oder schimmlig war. Aber
sie roch intensiv muffig.
Nachdem wir die Mineralwolle entfernt, und in Plastikmüllsäcken
entsorgt hatten, standen wir vor der Frage, was machen wir jetzt von
innen in die Wände. Keine Mineralwolle sollte es sein, obwohl die
Mineralwolle nicht unbedingt an der Geruchsbildung schuld sein musste,
aber sie speichert Gerüche dauerhaft. Der Wandaufbau selbst war
vermutlich die Ursache.
Zuerst musste auch der Restgeruch im verbleibenden Holz gebunden werden.
Im Internet fand ich "Kalkmilch", die wie Ätzkalk wirkt.
Früher pinselten Bauern ihre Ställe gegen Fliegen und Gerüche
damit. Es war nicht so einfach einen Lieferanten für Kleinmengen
zu finden. Firmen die Industriechemikalien vertreiben liefern so etwas.
Kalkmilch wird zur Wasseraufbereitung benutzt. Kalziumhydroxyd steht
auf dem Sack. Mit Vorsicht und Wasser zu einer leicht dicken Suppe angerührt,
haben wir die Gefache und die dünne Pressspahnplatte dahinter damit
ausgepinselt. Es hat tatsächlich geholfen.
Gegen organischen Mief hilft nur anorganisches, hatte mein Schwiegervater
gesagt. Recht hat er. Also machten wir weiter anorganisch, und zwar
mit Gasbetonsteinen. Die Ständergefache waren 9cm tief, also kauften
wir 10er Gasbetonsteine und mauerten die Gefache aus. Die Steine müssen
wegen der Isolierung recht genau zugepasst werden. Unter den untersten
Stein gehört jeweils eine Dampfsperre zum Holz hin. Jede Steinreihe
im Gefach sollte seitlich an den Holzständern verankert sein. Es
gibt Ankerbleche zu kaufen.
Doch Vorsicht! Feuchtigkeit!
Gasbeton wird ab Werk mit ca. 20% Wasser geliefert. Er muss unbedingt
trocknen, bevor er in Holz verbaut wird. Sonst kann sich Ihr ganzes
Haus verziehen. Also rechtzeitig bestellen und trocken lagern. Dazu
die Folienverpackung ab machen und die Steine auf Spalt neu stapeln
bis sie trocken sind (siehe Foto). Wenn sie viele Steine schneiden müssen,
besorgen sie sich eine Bandsäge vom Steinelieferanten. Ist besonders
bei den Gefachen nötig.
Schließlich waren die Gefache fertig ausgemauert. Doch die ganze
Elektroinstallation der Außenwände hing da rum. Sie sollten
entweder ein Elektrofachmann sein, oder einen haben der das regeln kann.
Sie haben die seltene Chance, mit wenig Aufwand in jedem Raum genug
Steckdosen nachzuinstallieren. Nutzen Sie die Gelegenheit, denn Kabel
müssen auf jeden Fall gelegt werden, weil die alten teilweise zu
kurz sein werden.
Außerdem muss vor die ausgemauerten Gefache im Abstand von etwa
zwei Zentimeter noch eine ordentliche Gasbetonsteinwand von 17,5cm oder
dicker, damit sie auch ausreichend isoliert. Lassen Sie auf jeden Fall
den Luftspalt zwischen Gefachmauer und der Vormauer. Diese Vormauer
muss mit rostfreien Blechankern an den Holzständern befestigt werden.
Mindestens jede dritte Steinreihe.
Aber vorher muss für diese Vorwand ein Fundament her, denn auf
den dünnen Asphaltestrich können sie diese nicht stellen.
Also innen rund ums Haus den Estrich/Fußboden ca. 20cm vor den
Ständern mit der Flex (Trennschleifer mit Diamantscheibe) durchschneiden
und entsorgen. Ist eine Sauarbeit und nur mit Atemschutz zu empfehlen.
Ein Karton mit einem darin hängenden nassen Putzlappen im Staubstrahl
hilft ein wenig. Bei Holzfußboden geht das sicher einfacher.
Beachten Sie, dass Sie beim Schneiden des Estrichs den Abstand zu den
Gefachen, den Luftspalt zwischen den Mauern, die Vormauerstärke
und die 1,5cm Trittschall-isolierung berücksichtigen müssen,
also 20cm Bodenabschnitt vielleicht nicht genügen. Aber auch nicht
zuviel wegschneiden. Ihre Fußboden Sockelleisten sollen den Isolierspalt
später abdecken können.
Dann machen Sie ein Beton Streifenfundament.
Unter den Beton unbedingt eine Feuchtigkeitssperrfolie oder Teerpappe
legen, die zum Holz hin bis zum unteren Stein der Gefachmauer hochreicht.
Es gibt schwarze Folien für verschiedene Mauerbreiten. Den senkrechten
Isolierstreifen zwischen Asphaltestrich und neuem Betonstreifenfundament
nicht vergessen, damit der Trittschall weiter gedämmt bleibt. Wir
nahmen die gelben PU-Schaumstreifen aus dem Fußbodenheizungsbau.
Geht prima damit. Normalerweise werden dünne Streifen Mineralwollmatte
genommen und später von den Fußboden-Sockelleisten abgedeckt.
Machen Sie das Fundament ein bis zwei cm höher als den Fußboden.
Ist der Schaumstreifen gut gestellt, hält er einen Zentimeter Betondruck
als Schalung aus, bis dieser hart ist. Den Streifen schneiden Sie nach
dem Verputzen an der Fußbodenoberfläche glatt ab. Wenn Sie
später mal aus Versehen einen Eimer Wasser umschütten, zieht
das Wasser dann nicht gleich in die Wand hoch, weil Beton dichter ist.
Vor dem Mauern der Vormauer ist die Elektroinstal-lation zu klären.
Alle Kabelenden zu Verteilern und Steckdosen müssen mindestens
10-15cm vor die noch zu mauernde neue Wand reichen. Reden Sie auf jeden
Fall mit einer Elektrofachfirma. An zugemauerte Leitungen kommen Sie
später nur schwer dran.
Wenn Sie nicht selbst mauern, holen Sie sich am besten ein Angebot mit
Verputz ein. Auf gut gemauertem Gasbeton reicht ein Dünnbettputz
(Vorher mit Aufbrennschutzflüssigkeit streichen).
Vor dem Verputz ist die restliche Elektroinstallation fällig.
Wenn Sie nicht selbst Fachmann sind, empfiehlt sich hier eine Fachfirma,
da je nach Neuem Bedarf einiges an der neuen Vormauer zu verlegen/installieren
ist. Evtl. ist eine neue Abnahme erforderlich. Auch haben alte Häuser
keine Fi-Schutzschalter. Nachrüsten ist empehlenswert oder Vorschrift.
Bitte bedenken Sie auch, dass die neuen Wände weiter im Haus sind.
Wenn ihre Badewanne vorher an der Außenwand stand ist sie jetzt
20cm weiter drin und die Armaturen müssen eventuell ebenfalls verlegt
werden. Die neuen Innenfensterbänke werden breiter sein müssen,
und und und...
Dann haben wir auch alle Innenwände, die ja keine Mineralwolle
in sich hatten,zwei mal mit Spezialfarbe gerollt - "Holzisogrund
von Caparol", www.caparol.de/ . Die Farbe ist etwas teuer aber
gut.
Schließlich haben wir, da es ein Bungalow ist, drei 100mm Deckenlüftungsgitter
im Flurbereich eingebaut und diese im Dachbereich darüber mit 100er
Abwasser-rohren zu einem verbunden und als ein Rohr zum Dach rausgeführt.
Aus den Dach kommt nur ein 100er Dunstabzugsschornstein, wie er für
die Küchenabzüge installiert wird. Entsprechende Kunststoffdachpfannen
gibt es im Baustoffhandel.
Dadurch ist eine zugfreie, energiesparende Dauer-Entlüftung möglich.
Besonders, wenn Sie tagsüber arbeiten und die Fenster nicht auf
lassen wollen, ist dies sicher eine gute Lösung. Zumal die neuen
Kunststoff-fenster sehr dicht sind. Bei Bedarf ist es möglich den
Rohrquerschnitt zu verringern, was aber bei ca. 80m2 Wohnfläche
kaum nötig sein dürfte, zumal es ja nur ein Abzug wie in einer
Küche ist, der eine richtige Lüftung nur als Kompromiss ersetzt.
Alles in allem viel Arbeit, aber der Geruch ist
weg und aus dem, wie Pappdeckel klingenden Fertighaus, ist fast ein
Massivhaus geworden.
Die Herstellerfirma des Hauses mit dem großen "O" am
Anfang, hatte auch ein Angebot abgegeben: ohne neue Fassade, mit entfernen
der Innenplatten der Außenwände, entfernen der alten Mineralwolle,
einbringen neuer Mineralwolle mit Gipskartonplatten davor, bei denen
Befestigen von Hängeschränken oder Regalen jedesmal zu einem
Abenteuer wird.
Dazu zu einem Preis, der höher lag als die von uns gewählte
Sanierung mit neuer Fassade.
Fachfirmen bieten übrigens inzwischen die von uns mühsam
gefundene Sanierungslösung neuerdings als Paket für alte Fertighäuser
an. Es dürfte genug Häuser mit ähnlichen Problemem geben.
Sollten Sie allerdings bei dieser Sanierung im Haus wohnen bleiben
wollen, oder müssen, ist das etwas komplizierter, aber machbar,
wenn Sie ein paar Monate gute Nerven haben. Denn Raumweise arbeiten
ist aufwändiger und mit einigen Unannehmlichkeiten verbunden. Der
Geruch ist schließlich auch unangenehm!
|

Die Hauseingangsseite vor der Sanierung.

Die Hausrückseite bei Sanierungsbeginn. Die Schraubenköpfe
der Eternitplatten sind versenkt und manchmal schwer zu finden, da sie
verspachtelt wurden.

Zuerst mussten die Eternitplatten runter. Bei jeder dritten Schraube
brach der Kopf ab. Auch bei Handschraubung.

So sieht es jetzt aus. Inzwischen ist auch das Garagentor neu. Die Echt-Klinker
gibt es in verschiedenen Farbtönen.

Von außen sieht es wie ein Massivhaus aus.

Frische Gasbetonsteine vor dem verbauen in Holzständerhäusern
unbedingt gut abgedeckt und auf Spalt gestapelt, mindestens einen Monat
trocknen lassen. Besonders die für die Gefache. Machen Sie einen
einfachen Test: Stellen Sie über Nacht Steine in die Gefache. Wenn
das Holz dahinter am nächsten Tag feucht ist, müssen Sie noch
warten.

Die Innenseite der Außenwände vor dem entfernen der Wandplatten.
Die Heizkörper müssen auch ab. Daher nur Sommerreno-vierung
möglich. Bei entsprechender Leitungsabsperrung bleibt das Warmwasser
in Bad und Küche erhalten.

Die freigelegten Gefache nach Entfernung der Innenwandplatten und der
Mineralwolle.

Ohne Bandsäge (Leihware der Steine-Lieferfirma) wäre es wohl
kaum gegangen. Etwa 1000 Steine mussten gesägt werden. Besonders
die für die Gefache zwischen den Ständern der Wand müssen
ziemlich genau passen.

Die mit Gasbeton ausgemauerten Gefache sind fast fertig. Unter dem Fenster
werden die Lücken noch mit Verschnittsteinen gefüllt. Eventuell
ist eine Vorverlegung der Heizungsrohre um 20cm erforderlich. Neue Fensterbänke
natürlich auch.
Nicht vergessen! Die Gefachwände müssen mit verzinkten Stahlbändern
diagonal verspannt werden. Wie bei Dachstühlen. Das ist für
Holzkonstruktionen wegen der Verwindung Vorschrift. Da ja noch eine
Mauer davor kommt, verstand ich das zwar nicht, aber die Stahlbänder
waren uns lieber, als mit dem Bauamt zu diskutieren.

Das fertige Haus von der Gartenseite. Die Außenarbeiten dauern
noch an.
|